Ablaufspuren bei Tauchkappen: Warum sie entstehen und weshalb sie keinen Qualitätsmangel darstellen

Bei der Auswahl von getauchten Weich-PVC-Schutzkappen stehen Funktionalität und Wirtschaftlichkeit im Vordergrund. Häufig spielt auch die Optik eine Rolle, denn alle Tauchteile verfügen über eine glänzende Oberfläche. Immer wieder werden wir von Neukunden gefragt, warum wir auf unserer Webseite und in unseren Angeboten auf unvermeidbare Ablaufspuren hinweisen und darauf, dass diese keinen Qualitätsmangel bei der Herstellung im Tauchverfahren darstellen.

Die kurze Antwort lautet: Ablaufspuren sind eine verfahrensbedingte Eigenschaft des Tauchbeschichtungsprozesses mit zähflüssigem Plastisol. Sie nehmen keinen Einfluss auf die Funktion oder Qualität der Schutzkappe, die im Regelfall über ein zu schützendes Bauteil gesteckt wird. Im Folgenden erläutern wir, wie diese Spuren entstehen, weshalb sie geometriebedingt technisch unvermeidbar sind und wie HAMCO damit konstruktiv umgeht.

Wie entstehen Ablaufspuren?

Tauchkappen werden im Tauchverfahren hergestellt. Dabei wird sehr vereinfacht dargestellt, ein heißer Tauchkern in einen zähflüssigen Kunststoff getaucht und nach einer Weile wieder herausgezogen. Im getauchten Zustand lagert sich PVC an der heißen Wand des Kerns an und bildet mit der Zeit die Wanddicke des Tauchteils aus. Beim Herausziehen des Tauchkerns aus dem Tauchbad fließt überschüssiges Material aufgrund der Schwerkraft entlang der Außenoberfläche bis zum tiefsten Punkt und tropft dort ab. Bei nicht-symmetrischen Geometrien läuft die zähflüssige Paste ungleichmäßig ab. Bevorzugt an Stellen vermehrten Abflusses entsteht die sogenannte Ablaufspur.

Diese Spur ist prozess- und verfahrensbedingt und lässt sich bei diesem Fertigungsverfahren nicht vollständig vermeiden, wenngleich wir jede Möglichkeit in Betracht ziehen, die Ablaufspur zu minimieren oder gezielt zu platzieren.

Entscheidend ist: Die Ablaufspur verändert weder die Schutzfunktion noch die Passgenauigkeit der Innenkontur oder Haltbarkeit der Tauchkappe.

Rein optische Eigenschaft ohne funktionale Auswirkungen

Ablaufspuren sind somit ausschließlich ein optisches Merkmal, das erst dann bei Tauchteilen eine Rolle spielen könnte, wenn diese im Sichtbereich verwendet werden und ein wesentliches Verkaufsargument darstellen. Die mechanischen Eigenschaften der Tauchkappe bleiben nahezu unverändert. Die Mindestmaterialstärke erfüllt weiterhin die vorgesehenen Anforderungen, und auch die Schutzwirkung gegenüber Verschmutzung, Feuchtigkeit oder mechanischen Einflüssen wird nicht beeinträchtigt.

Für Konstrukteure bedeutet dies: Eine Ablaufspur stellt keinen Qualitätsmangel dar, sondern ist ein charakteristisches Merkmal des Fertigungsverfahrens.

Gezielte Positionierung der Ablaufspur

Bereits während der Entwicklung eines Bauteils kann berücksichtigt werden, an welcher Stelle eine Ablaufspur später sichtbar werden könnte. HAMCO legt großen Wert darauf, diese möglichst in Bereiche zu verlagern, die funktional und optisch wenig relevant sind.

Ein gutes Beispiel sind Greifringe für Rollstühle: Diese werden im Tauchverfahren beschichtet, um eine griffige und widerstandsfähige Oberfläche zu erhalten.

Der Greifring besitzt einen außenliegenden Bereich, der dauerhaft von den Fingern des Nutzers umfasst wird, sowie einen inneren Ringbereich. Durch die geeignete Ausrichtung während des Tauchprozesses wird die Ablaufspur gezielt auf der Innenseite des im Tauchverfahrens beschichteten Greifringes positioniert. Dadurch entsteht eine gleichmäßige, im Ausmaß deutlich reduzierte Ablaufspur außerhalb des eigentlichen Griffbereichs. Der Nutzer kommt mit dieser Stelle im normalen Gebrauch nicht in Kontakt, während die Funktion und Ergonomie vollständig erhalten bleiben.

Dieses Beispiel zeigt, dass Ablaufspuren bereits in der Prozessplanung berücksichtigt werden können, um auch das optische Erscheinungsbild bestmöglich zu gestalten.

Besondere Geometrien begünstigen Ablaufspuren

Die Ausprägung einer Ablaufspur hängt nicht nur vom Verfahren, sondern auch von der Geometrie des Bauteils ab.

Besonders an folgenden Stellen können sie stärker sichtbar sein:

  • komplexe Konturen
  • Bereiche mit stumpfwinkligen Materialübergängen

Hier sammelt oder verteilt sich das flüssige Material während des Tauchvorgangs anders als auf übergangslosen symmetrischen Flächen.

Vergleich mit Spritzgussteilen

Auch andere Kunststoff-Fertigungsverfahren hinterlassen sichtbare Merkmale.

Bei Spritzgussteilen gehören beispielsweise folgende Eigenschaften zum normalen Fertigungsbild:

  • Angussstellen
  • Trennfugen
  • Auswerferabdrücke

Diese Merkmale werden in der Konstruktion berücksichtigt und stellen ebenfalls keinen Qualitätsmangel dar, wenn sie technisch einwandfrei ausgeführt sind. Gleiches gilt für Ablaufspuren bei Tauchkappen. Sie sind ein charakteristisches Merkmal des jeweiligen Herstellungsverfahrens und auch mit langjähriger Erfahrung nicht vollständig zu vermeiden.

René Döring

René Döring ist seit 2008 bei HAMCO am Start. Als ausgebildeter Bürokaufmann und dem folgenden Studium zum Bachelor für Sales und Management bringt er Fachwissen und Leidenschaft in die Bereiche Marketing und Vertrieb ein.
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