Staudruck, Nachdruck, Haltedruck

Wussten Sie eigentlich, dass man zur Erläuterung von Sachverhalten in der Kunststofftechnik in vielen Fällen Vergleiche zur Natur und des Menschen heranziehen kann?

Der heutige Begriff: Staudruck, Nachdruck, Haltedruck – ohne Druck passiert rein gar nichts!

Wir kennen es alle. Hausaufgaben, Steuererklärung, Wäsche bügeln… Solange kein Druck da ist, passiert lange Zeit gar nichts!

Im Spritzgießen ist das ganz ähnlich – ohne Druck wird aus heißem Kunststoff auch kein fertiges Formteil.

Staudruck – der innere Druck baut sich auf

Du weißt, da ist diese eine Aufgabe…. Sie erledigt sich aber nicht von selbst. Das ist wie ein innerer Stau von Gedanken und schlechtem Gewissen. Du fasst Dir ein Herz,  bereitest Dich vor und legst unmittelbar vor dem immer näher rückenden Termin los.

Übertragen auf den Spritzgießprozess ist das die Phase vor den Einspritzen der heißen Kunststoffmasse in das Werkzeug. Im Spritzgießzylinder der SG-Maschine soll die Förderschnecke das noch kalte Granulat auf dem Weg nach vorne bis zur Spitze unter Einfluss von Hitze von außen und innerer Reibung (Friktionswärme) verflüssigen und homogenisieren. Ohne einen Gegendruck, den sogenannten Staudruck, der gegen die Bewegungsrichtung der Schnecke gerichtet ist, würde die Schnecke das Granulat einfach nur nach vorne schieben. Das vor der Schnecke „angestaute“ Massepolster wäre völlig unvorbereitet für den nachfolgenden Einspritzvorgang.

Nachdruck – Jetzt zieh die Sache durch!

Du hast angefangen – die größte Überwindung überhaupt. Jetzt musst Du es auch durchziehen. Die letzten 10% der Aufgabenstellung erledigst Du jetzt auch noch.

Nachdruck ist der Extra-Schub auf dem letzten Meter, damit das Vorhaben vollständig gelingt. Ohne Nachdruck wäre das Spritzgußteil nicht vollständig gefüllt. Ursache dafür ist, dass die heiße Kunststoffmasse beim Erkalten im Spritzgießwerkzeug schnell zusammenschrumpft. Mit Nachdruck wird sichergestellt, dass die Schnecke, die wie ein  Kolben wirkt, beim Einspritzen weiterhin versucht, Kunststoff in die Kavität nachzudrücken. Und zwar so lange, bis das Formteil keine Masse mehr aufnehmen kann. Gratbildung, Einfallstellen und Verzug werden vermieden.

Haltedruck – unbedingt dran bleiben!

Du bist fertig – theoretisch ja, aber ist das Ergebnis wirklich nachhaltig?

Die unter Nachdruck vollständig gefüllte Kavität steht wortwörtlich unter Druck und würde gerne diesem Druck nachgeben – aber wir bleiben dran, bis der Anspritzpunkt erkaltet ist. Jetzt erst können wir den Druck raus nehmen.

Ohne Druck geht fast gar nichts – wie im richtigen Leben.

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