Bewegung macht dünn
Tapetenkleister und Ketchup – zwei typisch thixotrope Flüssigkeiten. Lässt man sie in Ruhe, sind sie unbeweglich und träge. Erst durch Bewegung, wie das Rühren des Kleisters im Eimer oder das Schütteln der Ketchupflasche verändern das fast schon menschliche Eigenschaftsbild. Der Tapetenkleister lässt sich durch die Bewegung des Pinsels mühelos auf der Tapete verstreichen, läuft aber beim Anbringen der Tapetenbahn nicht herunter, sondern gewöhnt sich wie das Ketchup, das förmlich aus der Flasche schwappt, schnell wieder an die Bequemlichkeit des Verharrens; sie werden im übertragenen Sinne wieder träge und dick.
In der Kunststofftechnik ist dieses Verhalten der Thixotropie Gold wert. Kunststoffschmelzen und Tauchpasten fließen bei der Verarbeitung und verharren nach getaner Arbeit. Erst die Bewegung macht dünn.