Wussten Sie eigentlich, dass man zur Erläuterung von Sachverhalten in der Kunststofftechnik in vielen Fällen Vergleiche zur Natur und des Menschen heranziehen kann?
Der heutige Begriff: Die plastische Seele – der flüssige Kern unter der Haut
Kirschtomaten auf der Pizza sind mit Vorsicht zu genießen. Auch wenn die Pizza schon ein wenig abgekühlt zu sein scheint, kann man sich am lavaartigen Innern der Kirschtomate ordentlich die Zunge verbrennen.
Ein gerade entformtes Kunststoffformteil verhält sich da ganz ähnlich. Unter der erkalteten Haut des Formteils schlummert noch immer Restwärme, die je nach Verweilzeit im gekühlten Werkzeug mehr oder minder stark ausgeprägt ist und gerne an die kalte Teileoberfläche möchte. Im ersten Moment kann man das gerade entformte Teil noch anfassen, aber nur wenige Sekunden später ist das Kunststoffteil schon wieder so heiß, dass man sich die empfindlichen Fingerspitzen daran verbrennen könnte – deswegen auch die weißen Stoffhandschuhe der Werker an den SG-Maschinen.
Die plastische Seele ist trotz Allem eine gute Sache. Denn der heiße Kern, der sich überall in der Mitte der Wanddicke und insbesondere an der dicksten Stelle des Formteils beharrlich hält, macht es erst möglich, dass das Formteil direkt nach dem Einspritzen der heißen Kunststoffmasse mit Nachdruck vollständig gefüllt werden kann. Ist der Bereich um den Anspritzpunkt aber erst einmal erkaltet, dann verursacht eine plastische Seele unter der dicksten Stelle des Formteils bei verfrühtem Entformen nur noch ungewünschte Effekte – Einfallstellen und die Gefahr des Teileverzugs – einmal abgesehen davon, dass man sich zudem die Fingerspritzen verbrennen kann.