Ablaufspuren und Ablauftropfen

Ablaufspuren und Ablauftropfen

Begrifflichkeiten der Kunststofftechnik – humorvoll und einfach verständlich aufbereitet

Wussten Sie eigentlich, dass man zur Erläuterung von Sachverhalten in der Kunststofftechnik in vielen Fällen Vergleiche zur Natur und des Menschen heranziehen kann?

Der heutige Begriff: Ablaufspuren und Ablauftropfen

„Die Schwerkraft macht keinen Unterschied zwischen Honig und PVC.“

Haben Sie schon einmal einen im Honigglas stehenden Löffel aus dem Glas gezogen?

Zunächst haftet der Honig gleichmäßig am Löffel. Doch schon nach wenigen Sekunden beginnt er langsam nach unten zu fließen. Dabei entstehen feine Schlieren, und am tiefsten Punkt sammelt sich schließlich der berühmte letzte Tropfen.

Genau so verhält sich das Plastisol bei der Herstellung von Tauchteilen in zähflüssigem PVC.

Nachdem der erhitzte Tauchkern nach Ablauf der produktbezogenen Verweilzeit aus dem PVC-Tauchbad gezogen wurde, haftet an der Oberfläche des bereits angelierten PVC,  das die spätere Wanddicke bildet, eine gleichmäßige, noch fließfähige Schicht Plastisol. Bis das Material im heißen Ofen vollständig geliert und fest wird, bleibt es jedoch noch kurze Zeit fließfähig. In dieser Zeit folgt das überschüssige PVC – genau wie der Honig – den Gesetzen der Schwerkraft.

Dabei können je nach Geometrie des Tauchteils optisch sichtbare Ablaufspuren anhaftenden PVCs entstehen und sich am tiefsten Punkt etwas mehr Material sammeln und einen Ablauftropfen bilden.

Beides sind keine Herstellungsfehler, sondern ganz natürliche Begleiterscheinungen des PVC-Tauchverfahrens und ein Ergebnis einer physikalischen Gesetzmäßigkeit – die Schwerkraft macht halt keinen Unterschied zwischen Honig und Kunststoff.

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